Im Sommer 2003 erfuhr ich über viele Ecken von einem Pferd in Deutschland, das, wenn es nicht einen neuen Besitzer findet zum Metzger soll. Kasib ist bei der Aufnahme dieses Bildes schon fast 6 Monate in meinem Besitz, er hat in dieser Zeit noch mehr abgenommen, vor lauter Stress, da wir in einen neuen Stall umgezogen sind, ins El-Manis.
Kasib geboren am 14.3.89. Mit zwei Jahen wurde er das erste Mal verkauft, nach weiteren drei Jahren wieder. Er war immer noch Hengst. Wie ich vor kurzem erfahren habe, hat er Kinder in Deutschland.
Kasib wechselte im Minimum 6 mal den Besitzer, bevor er in die Schweiz kam. Die Gründe warum er immer wieder verkauft wurde waren diverse. Zu schnell, (Durchgeher) zu unsicher (geht nicht alleine vom Stall weg) man fällt hinunter (macht schnelle Seitensprünge) usw.....
...im Herbst 2003 machten wir uns zu dritt auf den Weg nach Süddeutschland . Ein Kontingent war organisiert. Kasib überstand die 5-stündige Fahrt in die Schweiz relativ gut.
Nun hatte ich einen Araber im Stall. Meinen ersten. Ohne Muskeln, mit einem Senkrücken, ziemlich mager, und in den Ohren viele unschöne Geschichten über ihn. Als erstes musste ein Sattel her. Nur welcher Sattel passt auf ein solches Pferd. Einer ausprobiert, zwei, drei und noch mehr, bis ich auf die Roc Sättel aus Deuschland stiess. Dieser passte, konnte individuell aufgepolstert werden, wir waren zufrieden.
Kasib wurde auftrainiert, für das Distanzreiten. Auf die Fütterung wurde grosser Wert gelegt. Seine Zähne wurden gemacht, der Oesteopath bestellt. Bemerkungen wie, "mit einem solchen Pferd schaffst Du nicht einmal 40 Km" und "mit diesem Krüppel willst Du starten?" wurden überhört.
Kasib, ein Individium ohne Gleichen. Chef unserer Herde, sehr starker Durchhaltewillen, sehr viele "Präschtelis", Senkrücken, Arthrose, Narkolepsie, Trennungsängste, viele Macken, nicht stillstehen beim Putzen, ein ungerades Mal immer wieder probieren durchzugehen, stoppen auf der Vorderhand beim Galoppieren, sehr schnelle Seitensprünge in jeder Gangart.
Kasib wird nächsten Monat 18 Jahre alt. Er sieht verbraucht aus, hat viel mitgemacht in seinem Leben. Im El-Manis geniesst er nun sein Leben. Er hat in den vergangenen drei Jahren alles mit mir mitgemacht. Hat alle 4 Qualifikationen bis 90 Km geschafft. Sind an einem Rennen über 80 Km gestartet, waren drei Mal im Jura unterwegs während je einer Woche, er war drei Mal dabei als unsere Fohlen zur Welt kamen, und fühlte sich als Papi, hat sie beschützt, beschützt seine Herde wie ein Hengst in der freien Wildbahn, hat Freundschaft geschlossen mit Robin unserem Hengst, hat das Spielen wieder erlernt, das Vertrauen in den Menschen wieder gewonnen.
Heute am 2. Januar 2008 ist Kasib von seinen Schmerzen erlöst worden. Er erlitt einen Sekundentod auf der Weide. Wir fanden ihn noch ganz warm ,umringt von seinen Freunden die Abschied nahmen von ihm. Wir behalten dich als einen Kämpfer bis zum letzten in Erinnerung. Du wolltest nicht aufgeben, aber deine Krankheit war stärker. Wir sind alle ganz fest traurig und gleichzeitig froh, dass du erlöst bist!